Knochenimplantate sind eine über 60jährige Schweizer Erfolgsgeschichte. „In der Schweiz wurde die operative Versorgung von Knochenbrüchen vorangetrieben und Standards gesetzt, die weltweit gelten. Mit der heimischen Präzisionsindustrie wurden Implantatedesigns entwickelt, die heute noch ihre Gültigkeit haben“, sagt Lorenzo Zoccoletti, CEO von Genostis mit Sitz in Burgdorf im Kanton Bern. „Wir setzen diese Tradition fort mit einem generischen Knochenimplantatesystem zu 100% produziert in der Schweiz mit einem Höchstmaß an Qualität.“

Das Tomo Scope XS Plus 160 scannt vier Titan-Implantate in etwa zehn Minuten.
Generisch heißt in diesem Fall, dass die Genostis-Implantate – inspiriert durch Generika in der Pharmaindustrie – auf bestens bekannten Konstruktionen basieren, die mittlerweile patentfrei sind. Dank des generischen Prinzips sind die Kosten für Forschung und Entwicklung vernachlässigbar. „Unsere Platten und Schrauben basieren auf über Jahrzehnte bewährten Designs. In einem Inhouse Reengineering-Prozess optimieren wir sie entsprechend den heutigen Anforderungen für eine patientenfreundliche Anwendung und effiziente Herstellung“, erklärt Zoccoletti. Der Geschäftsführer weist darauf hin, dass die Preise für seine generischen Implantate deutlich tiefer sind als jene anderer namhafter Anbieter, ohne an der Qualität Abstriche machen zu müssen. „Damit gewährleisten wir die höchstmögliche Produktsicherheit und können uns mit den führenden Anbietern messen“, so Zoccoletti.
Da der größte Kostenblock in der Produktion entsteht, achten die Verantwortlichen dort auf sehr hohe Effizienz. „Wir haben hier in der Schweiz sehr hohe Lohnkosten“, sagt Carmelo Blandini, COO von Genostis. „Deshalb sind für uns maximal automatisierte Produktionsprozesse und der intelligente Einsatz innovativer Produktionsmittel erfolgsentscheidend.“
Ein Kernelement der Produktion ist die Messtechnik. „Alle unsere Implantate müssen die strengen rechtlichen Anforderungen für Medizinprodukte erfüllen, unter anderem die geltende EU-Medizinprodukteverordnung MDR 2017/745“, erklärt Zoccoletti. „Das CE-Kennzeichen ist Voraussetzung für die Vermarktung eines Implantats in der EU. Um dieses zu erhalten, müssen wir verschiedene Nachweise erbringen, die von einem Zertifizierungsunternehmen geprüft werden.“
Neben weitreichenden Validierungsmaßnahmen sind manche Messaufgaben unumgänglich, wie zum Beispiel die Erstmusterprüfung der einzelnen Produkte. Darüber hinaus sind fertigungsbegleitende Messungen erforderlich, die Genostis konsequent automatisiert in die Produktion integriert hat. „Für unser Konzept erschien uns die Computertomografie als am besten geeignete Messtechnologie“, erklärt Blandini. Die herkömmliche taktile 3D-Koordinatenmesstechnik schied für ihn aus verschiedenen Gründen aus: Der Zeitaufwand und die Kosten für die benötigten Spannvorrichtungen und Messungen seien enorm, außerdem müssten die Prüflinge manuell platziert werden. Da biete ein industrielles CT-Gerät viel bessere Voraussetzungen, um die angestrebte hohe Automatisierung zu realisieren.
Die Genostis-Verantwortlichen entschieden sich für das Tomo Scope XS Plus 160 von Werth Messtechnik. „Werth war uns als renommierter Messtechnik-Anbieter, der schon lange Koordinatenmesssysteme für die industrielle Computertomografie anbietet, ein Begriff“, so Blandini. Das gewählte Tomo Scope XS Plus 160 bringt alle Grundvoraussetzungen mit, um die Genostis-Implantate zuverlässig und schnell zu messen. Es ermöglicht das Scannen von kleinen und mittelgroßen Werkstücken bis etwa 300 mm Durchmesser und 450 mm Länge. Ein Kernelement ist die Transmissionsröhre im Monoblock-Design, die auch bei hoher Röhrenleistung einen kleinen Brennfleck ermöglicht, sodass sich schnelle Messungen mit hoher Auflösung durchführen lassen.

Genostis COO Carmelo Blandini (links) mit Werth-Vertriebsleiter Detlef Ferger: „Mit Unterstützung der CT-Spezialisten von Werth haben wir viel Know-how entwickelt und die Messung passgenau auf unsere Titan-Werkstücke zugeschnitten.“
Röhrenspannung erlaubt das Messen von Titan-Platten
Die maximale Röhrenspannung des Geräts beträgt 160 kV. Damit können auch Werkstücke mit größeren Durchstrahlungslängen und dichtere Materialien gemessen werden. „Da wir die Geometrien von Platten und Schrauben aus Titan erfassen müssen, war das ein wichtiges Entscheidungskriterium“, erklärt Blandini. Er weist aber auch darauf hin, dass die geforderte Taktzeit für die Überwachung der Fertigung eine Herausforderung darstellte, da es auf kurze Zeiten beim Erfassen der Werkstücke ankommt. Wir mussten einige Zeit investieren, bis wir die entsprechende Erfahrung mit dem CT-Sensor aufgebaut hatten.“ Denn Genostis wollte zum Beispiel die Titanwerkstücke in Mehrfachspannung scannen. „Da sich die Messobjekte bei der Messung gegenseitig beeinflussen und dadurch Bildfehler, sogenannte Artefakte, entstehen können, haben wir viele Versuche bezüglich der Anzahl der Teile und deren Positionierung zueinander gefahren, um gute Ergebnisse zu bekommen“, erklärt Dusan Mirkovic, Leiter Produktion & Automation. „Die CT-Spezialisten von Werth haben uns dabei mit ihrem Fachwissen tatkräftig unterstützt, sodass wir viel Know-how und letztlich für unsere Produkte passgenaue Messstrategien entwickeln konnten.“

Die Messzelle bei Genostis besteht aus einem Tomo Scope XS Plus 160 (rechts). Ein zweites Tomo Scope soll auf der linken Seite ergänzt werden. Der Roboter bedient dann beide CT-Geräte aus dem vorne sichtbaren Regal mit seinen 135 Vorrichtungsplätzen.