Einspritzdüsen für Benzin, Diesel und Wasserstoff
Einspritzdüsen bleiben für verschiedene Antriebskonzepte relevant, vom optimierten Verbrennungsmotor bis zum Wasserstoffantrieb. Die kritischen Merkmale liegen häufig im Inneren. Die Spritzlochdurchmesser moderner Injektoren betragen oft nur 100 µm bis 200 µm, und Form wie Kantenverrundung der Bohrungen bestimmen Spraybild, Verbrauch und Emissionen, was mit verschärften Abgasnormen weiter an Gewicht gewinnt. Beim Wasserstoffantrieb kommen Dichtheit und neue Werkstoffpaarungen hinzu, weil das trockene Gas anders als flüssige Kraftstoffe nicht schmiert. Grate und Toleranzen im Bereich weniger Mikrometer entscheiden über Durchfluss und Dauerhaltbarkeit. Eine rein äußere Prüfung reicht dafür nicht aus. Die Computertomografie von Werth erfasst Außen- und Innengeometrien wie Sackloch und Nadelsitz zerstörungsfrei und vollständig. Grate werden nicht nur erkannt, sondern gemessen und neutral bewertet. Für besonders kleine, hochgenaue taktile Messaufgaben bis hin zur Rauheit ergänzt der Werth Fasertaster® WFP das Spektrum. Der seit rund 30 Jahren etablierte Mikrotaster mit 20 µm Kugel arbeitet mit geringen Antastkräften und erreicht Merkmale, die für konventionelle Taster kaum zugänglich sind.
Bipolarplatten für Brennstoffzellen
Brennstoffzellen wandeln Wasserstoff und Sauerstoff direkt in elektrische Energie um, mit Wasser als einzigem Reaktionsprodukt. Bipolarplatten sind dabei zentrale Funktionsbauteile. Sie trennen die einzelnen Zellen des Stacks voneinander, verteilen die Gase über feine Kanalstrukturen gleichmäßig über die aktive Fläche, leiten den elektrischen Strom von Zelle zu Zelle und führen über Kühlkanäle die Reaktionswärme ab. Für die Messtechnik bedeutet das die flächige Prüfung großer, fein strukturierter Werkstücke. Metallische Bipolarplatten werden aus Folien von teils unter 0,1 mm Dicke geprägt oder hydrogeformt. Die Kanalstrukturen messen nur wenige hundert Mikrometer. Weil ein Stack aus mehreren hundert Platten besteht, addieren sich Ebenheits- und Dickenabweichungen über den Stapel und beeinflussen Anpressdruck, Kontaktwiderstände und die Dichtheit gegenüber Wasserstoff. Auch Prägetiefen, Dichtflächen und Werkzeugversatz wirken unmittelbar auf Funktion und Prozesssicherheit. Zugleich darf die Messung die empfindlichen Flächen nicht mechanisch beeinflussen. Werth Multisensorik kombiniert dafür schnelle optische Verfahren mit berührungslosen Abstandssensoren. Rasterscanning HD prüft die großen Plattenflächen in kurzer Zeit, und der hochgenaue chromatische Abstandssensor Werth CFP (Chromatic Focus Point) misst Prägetiefen, Ebenheit und Verzug ohne mechanische Beeinflussung. Mit dem stufenlosen Dreh-Schwenk-Gelenk WRT lässt er sich senkrecht zu geneigten Flächen ausrichten. Serienfreigaben lassen sich so beschleunigen, Ausschussquoten reduzieren und Prozessdaten für Werkzeugkorrekturen und stabile Fertigungsfenster gewinnen, gerade im Serienanlauf, wenn Prägewerkzeuge iterativ korrigiert werden.
Batteriezellen und 100%-Prüfung
Am dichtesten bündeln sich die Anforderungen bei Batteriezellen. Terminal, Überhänge, Jelly-Roll-Geometrie, Delaminationen und Partikel müssen in Sekunden und mit hoher Auflösung geprüft werden. Der Anodenüberhang ist dabei ein sicherheitskritisches Maß. Überragt die Anode die Kathode nicht zuverlässig, droht Lithium-Plating mit Kapazitätsverlust und Kurzschlussgefahr. Metallische Partikel und Delaminationen im Zellinneren können interne Kurzschlüsse bis hin zum thermischen Durchgehen auslösen. Nach der Montage ist die Computertomografie das einzige Verfahren, das solche innenliegenden Merkmale zerstörungsfrei sichtbar macht und misst. Die 100%-Prüfung wird damit zum zentralen Fertigungsthema. Werth TomoScope®-Systeme mit Werth HighResLonglife-Röntgenquelle und KI-gestützter automatischer Defekterkennung adressieren diese Aufgabe. Defekte von wenigen Mikrometern werden dabei erkannt, bis zu 35-mal schneller und auf einem Viertel der Stellfläche vergleichbarer Lösungen. Die hochauflösende Werth Röntgenquellen mit 130 kV bis 230 kV ermöglichen bei gleicher Auflösung 5-mal schnellere Messungen als konventionelle Reflexionsquellen. Ihr Wartungszyklus von zwölf Monaten fällt mit der regulären Gerätewartung zusammen. Der Parallelbetrieb von zwei Geräten in einer Prüfstation halbiert die Taktzeit, beispielsweise von 30 Sekunden auf 15 Sekunden, und schafft zugleich Redundanz bei Wartung und Störung. Regulatorischen Rückenwind gibt zudem die EU-Batterieverordnung (EU 2023/1542), die mit Batteriepass und CO2-Fußabdruck-Deklaration lückenlose Dokumentation und Rückverfolgbarkeit verlangt.

CT-Querschnitt einer Batteriezelle mit Detailansicht. Die KI-gestützte automatische Defekterkennung identifiziert bei der 100%-Prüfung Partikel von wenigen Mikrometern. © Werth Messtechnik.
Rückführbar messen, fähig prüfen
Quer durch alle Anwendungen verlangt die Automobilindustrie nach IATF 16949 nachweisbar geeignete Prüfprozesse, deren Eignung üblicherweise nach VDA Band 5 bewertet wird. Koordinatenmessgeräte mit Computertomografie werden nach der Richtlinie VDI/VDE 2617 Blatt 13 und der ISO 10360 Teil 11 spezifiziert und abgenommen. Ergänzend bietet Werth CT-Koordinatenmessgeräte mit Kalibrierung nach den Vorgaben der Deutschen Akkreditierungsstelle (DAkkS) an, die in der Automobilindustrie seit einigen Jahren verpflichtend ist. Rückführbares Messen im gesamten Werkstückvolumen steht damit auf derselben normativen Basis wie die klassische taktile und optische Koordinatenmesstechnik.
Beherrschte Prozesse als gemeinsamer Nutzen
Die Beispiele zeigen, dass nachhaltige Mobilität keine einzelne Messtechnologie verlangt, sondern die passende Kombination aus Sensorik, Geschwindigkeit, Auswertung und Verfügbarkeit. Optik, Taster, Computertomografie und Multisensorik ergänzen sich, wenn Außenkonturen, Innengeometrien, Mikrostrukturen und empfindliche Flächen prozessnah zu bewerten sind. Für Fertigungsverantwortliche zählt dabei mehr als Präzision im Messraum. Entscheidend sind sichere Freigaben, reduzierte Ausschussquoten, verfügbare Systeme und Messdaten, die direkt zur Prozesssteuerung beitragen. Messtechnik wird so zum Baustein einer wirtschaftlichen, sicheren und ressourcenschonenden Fertigung und damit zu einem Fundament der Mobilitätstransformation.
Weitere Informationen:
Relevante Normen und Regelwerke
IATF 16949: Anforderungen an Qualitätsmanagementsysteme in der Automobilindustrie.
VDA Band 5: Prüfprozesseignung und Eignungsnachweis von Messsystemen und Messprozessen unter Berücksichtigung der Messunsicherheit.
ISO 14253-1: Entscheidungsregeln für den Konformitätsnachweis unter Berücksichtigung der Messunsicherheit.
ISO 10360: Annahme- und Bestätigungsprüfung für Koordinatenmesssysteme. Teil 11 behandelt Systeme mit Röntgen-Computertomografie.
VDI/VDE 2617 Blatt 13: Leitfaden zur Anwendung der ISO 10360 auf Koordinatenmessgeräte mit CT-Sensor.
EU-Batterieverordnung (EU 2023/1542): CO2-Fußabdruck, Sorgfaltspflichten und Batteriepass für Traktionsbatterien.